Die Technik tritt in den Hintergrund

Die Sparkassen Zeitung, September 2007

IZB: Echtes Outsourcing bedeutet, auch Betriebsverantwortung zu übernehmen

Von Dr. Walter Kirchmann,
Geschäftsführer des IZB Informatik-Zentrums

Wenn Banken und Finanzinstitute ihre IT-Infrastruktur oder Teile davon an einen externen Dienstleister auslagern, gibt es dafür gute Gründe. Allen voran stehen die Versprechen der Outsourcing-Anbieter, dieselben Tätigkeiten zu geringeren Kosten durchführen zu können. Viele Serviceleister sind auf Grund der realisierten Skaleneffekte tatsächlich auch in der Lage, standardisierte Produkte zu einem wettbewerbsfähigen Preis anzubieten. Für das IZB Informatik-Zentrum ist dies jedoch nur ein Teilaspekt des wahren Outsourcing-Gedankens, der dem Kunden im schlimmsten Fall sogar nur begrenzt weiterhilft.

Im klassischen Outsourcing, wie es viele Anbieter bis heute betreiben, stellen die Kunden bestimmte – meist technische – Anforderungen, die der Dienstleister dann eins zu eins umsetzt. Gegebenenfalls hilft der Dienstleister noch bei der Erstellung der Anforderungen. Trotzdem muss sich der Kunde dabei ebenso gut wie der Serviceleister in allen technischen Details auskennen, um seine Bedürfnisse zu definieren und um die Angebote verschiedener IT-Serviceanbieter überhaupt vergleichen zu können. Tatsächlich lagert der Kunden also nur den Betrieb von Komponenten und Anwendungen aus, nicht aber deren Design. Da die Kernkompetenzen eines Finanzinstituts jedoch nicht in der Entwicklung von IT-Architekturen liegen, kann hier schnell ein unerwünschter Effekt eintreten: Das Unternehmen lagert letztlich den Betrieb einer nicht-optimalen Infrastruktur an einen externen Dienstleister aus. Die Ersparnis könnte also weitaus höher ausfallen, wenn im Rahmen des Outsourcing- Prozesses auch das Design der IT optimiert worden wäre.
Solche Fallen zu vermeiden gehört mit zum Selbstverständnis des IZB Informatik-Zentrums. Daher steht am Anfang einer jeden Kundenbeziehung sowie vor allen neuen Projekten zunächst eine ausführliche Analyse der Bedürfnisse und Probleme des Kunden sowie eine individuelle Beratung – und zwar losgelöst von den technischen Komponenten. Der Kunde definiert also die technische Lösung nicht mehr mit, sondern macht vornehmlich prozessuale Vorgaben. Dann schafft das IZB Informatik-Zentrum die für den jeweiligen Bedarf passende Infrastruktur und betreibt darauf die Systeme und Anwendungen des Kunden. Der Dienstleister übernimmt somit zum ersten Mal auch Betriebsverantwortung für Kundenprozesse. Um dies leisten zu können, muss der IT-Dienstleister sowohl die Prozesse bei den Kunden als auch die rechtlichen Rahmenbedingungen detailliert verstehen, unter denen die Kunden operieren. Denn insbesondere Banken und Finanzinstitute haben auf Grund des Kreditwesengesetzes, Auflagen der BaFin sowie durch Basel II und anderer Richtlinien besondere Anforderungen an ihre IT-Systeme. Dass das IZB Informatik- Zentrum in diesem Bereich über viel Erfahrung verfügt, verrät schon ein Blick auf die Kundenliste. So gehören unter anderem Finanzdienstleister, Sparkassen und Banken, Landesbanken und Landesbausparkassen wie die BayernLB, Landesbank Hessen-Thüringen, LBS Bayern, Sparkassen Informatik, Deka Bank, Deutsche Kreditbank, Hauck & Aufhäuser, der Sparkassenverband Bayern oder die State Street Bank zu den Unternehmen, die ihre IT dem IZB Informatik-Zentrum anvertrauen.
Ein weiterer Aspekt des echten Outsourcing ist die Abrechung der erbrachten Leistung. Auch hier gibt es viele Anbieter, die für ihre Kunden beispielsweise den Betrieb von Servern zur Ablage von Dateien übernehmen und dabei die Kosten für die gesamte Anlage mit dem maximal verfügbaren Speicherplatz monatlich in Rechnung stellen. Hier erspart sich der Kunde also nur den eigentlichen Betrieb des Servers und Speicherplatzes, bezahlt aber weiterhin für die komplette Leistungskapazität. Das IZB Informatik-Zentrum bietet seinen Kunden stattdessen eine Abrechnung nach Verbrauch an – so wie es der einzelne Anwender zu Hause von seiner Strom-und Telefonrechnung her kennt. Statt einem voll ausgestatteten Serversystem bezahlt der Kunde in diesem Beispiel bei gleicher Leistung also nur den Speicherplatz und die Netzwerkanbindung, die er auch tatsächlich nutzt.
Wer geschäftskritische Komponenten und Prozesse in die Hände Dritter gibt, möchte natürlich sicher sein, dass seine Systeme und Daten gut aufgehoben sind. Hier helfen offizielle Zertifizierungen von neutralen Dritten, um die Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit eines Dienstleisters zu verifizieren. So bestätigt beispielsweise das Zertifikat „Trusted Site Infrastructure“ der TÜViT dem IZB Informatik-Zentrum, dass die Rechenzentren alle Infrastrukturanforderungen bezüglich der baulichen Gegebenheiten, Sicherheitssysteme, Energieversorgung und Brandmelde- sowie Löschtechnik, raumlufttechnische Anlagen sowie Organisation und Dokumentation erfüllen. Das IZB Informatik- Zentrum hat zudem im Dezember 2006 als erstes Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe im Rahmen der Einführung des „Sicheren IT-Betriebs“ des Informatikzentrums der Sparkassen- Organisation (SIZ) die ISO-27001-Zertifizierung erhalten. Darüber hinaus ist der IT-Dienstleister nach ISO 9001:2000 und BESTCPI (Business Excellence Services Trust – Continuous Process Improvement) zertifiziert.
rechenzentrum, langzeit-archivierung, ibm mainframe rechenzentrum, langzeit-archivierung, ibm mainframe


„Wir sehen einen klaren Trend in Richtung selektives Outsourcing“

Interview mit Dr. Walter Kirchmann, Geschäftsführer des IZB Informatik-Zentrums

Herr Dr. Kirchmann, wo liegen Ihrer Meinung nach die wesentlichen technischen Herausforderungen in der Finanzdienstleistungsbranche?
Dr. Kirchmann: Die Anwender erwarten heute, dass alle für sie relevanten Informationen jederzeit und überall verfügbar sind. Gleichzeitig wollen Unternehmen nur noch das bezahlen, was sie auch tatsächlich nutzen. Die IT-Verantwortlichen stecken also in einer Zwickmühle: Sie sind einerseits durch steigende Ansprüche auf Anwenderseite unter Druck und kämpfen andererseits mit einer hohen Komplexität aus gewachsenen Anforderungen und einer heterogenen Infrastruktur. Diese Komplexität verschlingt dabei immer mehr Ressourcen im laufenden Betrieb und lässt nur begrenzten Spielraum für neue Systeme – die die Anwender wieder um immer vehementer fordern. Verfügbarkeit, Performance, Skalierbarkeit und zeitnahe Umsetzung von Innovationen bei gleichzeitig geringeren und flexibleren Kostenstrukturen bleiben nach wie vor die Herausforderungen imgesamten Bereich IT.

Worauf kommt es unter diesen Bedingungen bei einem IT-Dienstleister mit Kunden in der Finanzbranche an?
Dr. Kirchmann: Das wichtigste ist, dass der Serviceleister seine Kunden sowie deren Umfeld und Branche wirklich versteht. Bisher ist es leider meist so, dass sich ein interessierter Kunde zunächst selber tief in komplexe IT-Themen einarbeiten muss, um die Angebote und Leistungsbeschreibungen von Outsourcing-Anbietern verstehen zu können. Wir gehen hier einen anderen Weg: Als Dienstleister möchten wir unsere Kunden partnerschaftlich und kompetent beraten und sie durch die Übernahme von Verantwortung im Betrieb nachhaltig entlasten.

Wie sieht das beim IZB Informatik-Zentrum konkret aus? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?
Dr. Kirchmann: Wir sind immer schon für Banken und insbesondere für Sparkassen und Landesbanken tätig und kennen nicht nur die Branche, sondern wissen auch sehr genau wie das Tagesgeschäft unserer Kunden aussieht. Zudem haben Banken und Finanzdienstleister auf Grund des Kreditwesengesetzes, durch Auflagen der BaFin sowie durch Basel II und andere Richtlinien besondere regulatorische Anforderungen an ihre IT-Systeme. Diesen regulatorischen Anforderungen werden wir seit Jahren und Jahrzehnten umfassend gerecht. Gleichzeitig ist es für Kunden in der Praxis oft sehr schwer, den tatsächlichen Bedarf an bestimmten IT-Ressourcen richtig einzuschätzen. Daher stehen bei uns eine individuelle Analyse und eine umfassende Beratung am Anfang jeder Kundenbeziehung. Zudem arbeiten wir mit einem Servicemodell, bei dem der Kunde genau die Leistungen bezahlt, die er auch benötigt beziehungsweise in Anspruch nimmt.

Können Sie uns hierzu ein Beispiel nennen?
Dr. Kirchmann: Wir stellen beispielsweise Speicher- und Archivleistungen dynamisch nach Bedarf zur Verfügung und rechnen nach Verbrauch ab. Damit unterscheiden wir uns von anderen in der Branche, die statisch angeforderte Kapazität reservieren und diese abrechnen – egal wie stark der Kunde sie nutzt. Die dynamische Abrechnung quasi „on demand“ ist für Kunden besonders dann interessant, wenn der Bedarf über das Jahr verteilt sehr volatil ist – zum Beispiel durch einen Spitzenbedarf an Quartalsultima. Für einen Kunden haben wir aber auch ein Modell der Bereitstellung und Abrechnung nach Geschäftstransaktionen implementiert. Konkret ging es in diesem Fall um einen unabhängigen Geldausgabeautomaten-Betreiber, bei dem wir pro getätigter Auszahlung bezahlt wurden.

Welche Trends sehen Sie generell im IT-Servicemarkt?
Dr. Kirchmann: Wir sehen einen klaren Trend in Richtung selektives Outsourcing. Das heißt, die Unternehmen lagern nur einzelne Teilbereiche ihrer IT aus. Gleichzeitig geben die Kunden zunehmend Teilbereiche an unterschiedliche Dienstleister ab, um mit dem jeweils besten Anbieter in dem jeweiligen Bereich zusammenzuarbeiten. Einige Unternehmen, die bisher noch selbst Rechenzentren betreiben, stehen zudem vor der klassischen „Make or Buy“-Frage: Haben Sie die kritische Masse, um ihre IT-Infrastruktur unter Benchmark-Kriterien selbst wirtschaftlich betreiben zu können? Und können oder wollen sie die Investitionen tätigen, um die Sicherheits- und Betriebsrisiken im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben hinreichend handhaben zu können? Hier stehen viele Unternehmen vor einer Neubewertung, die eindeutig in Richtung Outsourcing zeigt.

Quelle: Die Sparkassen Zeitung


Download des Expertenartikels als PDF - Dokument


zurück