Kommentar: Sicherung von Rechenzentren ist keine Kleinigkeit

ntz, Ausgabe 7-8/2007, 02.November 2007

Egal ob es sich um den einzelnen Server im Kleinunternehmen oder die Serverfarm im Konzern handelt – in beiden Fällen ist die Verfügbarkeit der IT-Infrastruktur für das Unternehmen überlebenswichtig. Noch vor Firewalls, Intrusion Detection und Virenschutz sollte dabei die physische Sicherheit der IT-Systeme kommen. Denn auch hier gibt es eine Menge zu beachten.

Wenn es um die Gefährdung von Rechenzentren geht, so unterscheiden die IT-Grundschutzkataloge des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zwischen höherer Gewalt, organisatorischen Mängeln, menschlichen Fehlhandlungen, technischem Versagen und vorsätzlichen Handlungen. Insgesamt zählen die fünf Kataloge dabei 425 konkrete Gefährdungen auf, die die IT eines Unternehmens nachhaltig bedrohen. Viel Arbeit also für diejenigen, die mit der Sicherung eines Rechenzentrums beauftragt sind. Zur physischen Sicherung von IT-Systemen gibt es dabei verschiedene Bereiche zu beachten, die beispielsweise auch die TÜViT bei der Zertifizierung von Rechenzentren nach der „Trusted Site Infrastructure (TSI)“ untersucht. Das BSI hält hierzu vergleichbar sechs Maßnahmenkataloge mit insgesamt 1057 Einzelmaßnahmen vor, die der Absicherung von IT-Systemen dienen.

Physische Sicherheit

Die Sicherheit eines Rechenzentrums fängt bereits auf dem Grundstück und dessen Umgebung an, auf dem sich das Gebäude befindet. So sind hier beispielsweise Gefährdungen durch Wasser, Trümmer, Erschütterungen oder Schadstoffe ebenso zu meiden wie naheliegende Verkehrswege mit Gefahrguttransporten. Auch benachbarte Veranstaltungsorte von Großereignissen können den Rechenzentrumbetrieb gefährden, wenn Mitarbeiter auf Grund von Straßensperrungen nicht mehr an ihren Arbeitsplatz kommen.

Passt die Lage, ist im nächsten Schritt das Gebäude selbst abzusichern. An dieser Stelle helfen zahlreiche Normen und Vorschriften vom Deutschen Institut für Normung (DIN), Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE), Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) oder Richtlinien der VdS Schadenverhütung weiter. Die Regelwerke liefern Informationen über Mauerwerk, Beschaffenheit von Fenstern und Türen ebenso wie über Blitzschutz oder die Verlegung von Versorgungsleitungen.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist der Brandschutz innerhalb des Gebäudes in Verbindung mit der Melde- und Löschtechnik. Auch hier unterstützen die Normen der genannten Organisationen den „Facility Manager“ bei der Planung. Er sollte hierbei nicht vergessen, das Brandschutzkonzept auch mit der örtlichen Feuerwehr abzustimmen. Schadensbegrenzungsmaßnahmen wie etwa eine Gaslöschanlage im Sicherheitsbereich eines Rechenzentrums können im Ernstfall dazu beitragen, dass der Schaden durch Löschwasser nicht größer wird als derjenige, den die Löschung verhindert hat.

Um Unbefugten den Zutritt zu sensiblen Bereichen zu verwehren, werden wiederum Sicherheitssysteme wie Zugangskontrollsysteme oder Einbruchsmeldeanlagen genutzt. Vereinzelungsschleusen können beispielsweise verhindern, dass sich eine unbefugte Person hinter einem berechtigten Mitarbeiter durch eine gesicherte Tür schummelt. Um in besonders sensiblen Bereichen sicherzustellen, dass ein Ausweisbesitzer auch derjenige ist, auf den der Ausweis ausgestellt wurde, helfen biometrische Zugangskontrollsysteme, seine Identität zu verifizieren.

Auch die Energieversorgung eines Rechenzentrums spielt eine wichtige Rolle: Hier sind einerseits bei der Installation der elektrischen Anlagen entsprechende Normen und Vorschriften zu beachten. Gleichzeitig sollte die Versorgung eines Rechenzentrums idealerweise von zwei verschiedenen Umspannstationen, mindestens aber über eine Ringleitung vorgenommen werden. Alle wichtigen Systeme sind zudem über Netzersatzanlagen oder unterbrechungsfreie Stromversorgungen abzusichern.

Insbesondere in Rechenzentren mit einer hohen Server- oder Komponentendichte kommt auch der Klimatisierung eine hohe Bedeutung zu. Diese sorgt dafür, dass in Bereichen mit IT-Systemen wie auch beispielsweise in Archiven die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und der Staubanteil festgelegte Grenzwerte nicht über- oder unterschreiten. Für Serverräume gibt es zudem Kühlkonzepte mit heißen und kalten Zonen. Neben allen mechanischen, elektrischen und elektronischen Vorrichtungen gibt es noch zwei weitere Felder, die nicht zu vernachlässigen sind: die Organisation und Dokumentation. Organisatorische Maßnahmen sind Vertretungsregelungen oder regelmäßige Sicherheitsbegehungen. Die Dokumentation der Sicherungsmaßnahmen sollte hingegen mittelfristig zu einem Sicherheitskonzept ausgebaut werden.

Selber machen oder machen lassen

Eine verfügbare IT ist heute für viele Unternehmen überlebenswichtig. Gleichzeitig zählt der Betrieb einer IT-Infrastruktur in den meisten Fällen nicht zu deren Kernkompetenzen. Wer auf ein hohes Sicherheitsniveau nicht verzichten möchte, gleichzeitig aber die aufwendigen Maßnahmen zur Sicherung des eigenen Rechenzentrums scheut, kann auch als mittelständisches Unternehmen seine IT oder Teile davon an spezialisierte Dienstleister wie das IZB Informatik-Zentrum auslagern. Deren Rechenzentren in Nürnberg und Offenbach/M. erfüllen bereits heute den „TSI-Level 2 erweitert“.

Dr. Walter Kirchmann

Quelle: ntz, Ausgabe 7-8/2007



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