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Aktuelle Anforderungen – neue Entwicklungen |
Banken + Partner, Ausgabe 1/2008, Januar 2008
Vor allem die Neugierde auf neue Trends treibt die Fachbesucher nach Hannover. In der Tat: Genug
Themen brennen auf den Nägeln, für die allein die Informationstechnik die Antwort liefert. Auch für
Kreditinstitute werden in Hannover wieder Lösungen für aktuelle Fragen präsentiert.
von Heide Skudelny
Nichts wird so sein, wie es war.
Oder besser: fast nichts. Wer dieses
Jahr die CeBIT besucht, wird sich neu
orientieren müssen. Die Keimzelle
des einstigen Welt-Centrums – Büro
– Information – Telekommunikation
– geschlossen. Die Aussteller, auch die
bankrelevanten – auf viele Hallen verteilt,
trotz des Themenschwerpunkts
„Banking and Finance“ in Halle 17.
Und dennoch dürfte die Messe
ihre Rolle als Schaufenster für Innovationen
und als Impulsgeber der ITBranche
in diesem Jahr deutlicher als
bisher bekräftigen: Die Kürzung auf
sechs Tage macht sie wirtschaftlicher
für die Aussteller, die Gliederung nach
Themenschwerpunkten für Besucher
attraktiver, die themenorientierten
Sonderpräsentationen für die Fachwelt
übersichtlicher.
Darstellung von Lösungs- und Business-Kompetenz
Die letztjährige Forderung von
Uwe Krause, dem Direktor Marketing
Banking von Wincor Nixdorf, „die Darstellung
von Lösungs- und Business-
Kompetenz mehr in den Vordergrund
zu stellen“, hat sich damit erfüllt.
Aktuelle Trends kennen lernen und
auf neue Entwicklungen stoßen – das
sind nach Erhebungen des Instituts für
Management- und Wirtschaftsforschung
die Motive, die Entscheider dieses Jahr
nach Hannover locken.
„Die CeBIT als weltweit größte
Plattform der Hightech-Branche hat für
die Unternehmen deutlich an Attraktivität
gewonnen“, bestätigt auch
Bitkom-Präsident Professor Dr. August-Wilhelm Scheer und hebt speziell die bessere
Gliederung der Messe in einzelne
Bereiche heraus.
Das Angebot ist breit gestreut und
-
zeigt mit Business Solutions
Wege zur Optimierung der Geschaftsprozesse,
-
liefert in der SOA-World Informationen
zu serviceorientierten Architekturen,
-
gibt in der CRM-Arena Auskunft
uber neueste Entwicklungen in Sachen
Kundenmanagement und -bindung,
-
erlaubt in Learning & Knowledge
Solutions - erstmals in einem eigenstandigen
Ausstellungsbereich - Einblicke
in E- und Mobile Learning,
-
hebt mit Human Resources die
Bedeutung des Personalbereichs hervor,
der zunehmend auf Business-Process-
Outsourcing-Dienstleister zuruckgreift,
und
-
deckt in Consulting & Services
das Thema Outsourcing ab, das laut Dr.
Walter Kirchmann, Geschaftsfuhrer des
IZB Informatik-Zentrum, an Bedeutung
zulegen wird. "Alle Prozesse, die nicht
dazu beitragen, sich von Mitbewerbern
zu differenzieren oder eine nachhaltige
Wertschopfung zu erzielen, werden
kunftig konsequent ausgelagert."
Weitere Querschnittsthemen, die
auch für Finanzdienstleister von Belang
sind, finden sich in den Bereichen PC
und Notebooks, Mobile Communication
sowie Imaging & Printing.
Neue Struktur für mehr Transparenz
Marktorientierte Konzentration und
thematische Zuspitzung haben freilich
ihren Preis. Branchengrößen wie O2
und Freenet, sogar Spezialanbieter wie
van den Berg bleiben weg. Andere wiederum
wie der Business-Intelligence-
Anbieter SAS kehren zurück. NCR hat
im letzten Moment noch die geplante
Absage revidiert. „Die Themenschwerpunkte
geben der Messe eine Struktur,
die Transparenz schafft, um Geschäfte
zu machen“, begründet Jürgen Fritz, bei
SAS Direktor für Marketing und Strategie,
die Entscheidung.
Dennoch erwartet Messe-Vorstand
Ernst Raue „keine Rekordmesse“. Die
Zahl von 6153 Ausstellern und 480.000
Besuchern 2007 dürfte vermutlich
nicht ganz erreicht werden, obwohl
eine Vielzahl der Themen hohe Priorität
bei den Anwendern hat. „Zunehmend
kristallisiert sich nicht nur heraus,
dass IT und Telekommunikation
einen Schlüssel zur Lösung der großen
Zukunftsaufgaben liefern“, so Bitkom-
Präsident Scheer, „sondern auch eine
strategische Rolle in der Wertschöpfung
der Banken einnehmen.“
„Die IT muss in der Lage sein“,
konkretisiert IZB-Geschäftsführer
Kirchmann, „den anstehenden Wandel
zu ermöglichen, mitzutragen und
umzusetzen durch Unterstützung neuer
Trends im Bankengeschäft.“ Dabei gehe
der Trend weg vom Betrieb dedizierter
oder selbst entwickelter Lösungen, hin
zum Einkauf von Prozessen und Prozessketten,
die auf Branchenstandards
basieren. Konkret nennt Kirchmann
serviceorientierte Architekturen und
Software-as-a-Service als Schlüsselelemente.
Aber auch die SEPA-Umsetzung
stehe weiterhin ganz oben auf der Aufgabenliste.
Zentrales Thema in Hannover ist,
wie könnte es anders sein, im Zeichen
der anhaltenden Klimadebatte die
grüne IT. Wenn der Ausstoß von klimaschädlichem
Kohlendioxid bis 2020
um 20 Prozent sinken soll, muss nicht
zuletzt auch der Verbrauch gekappt
werden. Kein namhaftes Unternehmen
auf der CeBIT, das sich nicht zur
Energieeinsparung und CO2-Effizienz
bekennt und dies als Wettbewerbsfaktor
in den Vordergrund stellt.
Dringend erforderlich ist das
Umdenken ohne Zweifel. Setzen doch
nach einer Studie der Gartner Group
Produkte der Informationstechnik
weltweit so viel klimaschädliches Kohlendioxid
frei wie die gesamte zivile
Luftfahrt.
Beispiel: Ein Server, der für 2.500
Euro angeschafft wird, verbraucht
innerhalb von drei Jahren für 1.800
Euro Strom. Für den PC ergibt sich, so
Peter Kurz, Geschäftsführer von Maku,
auf acht Jahre hochgerechnet ein
kumulierter Gesamtstromverbrauch
von gut 22.000 Kilowattstunden. Bei
einem Strompreis von 19 Cent pro Kilowattstunde
summieren sich die Energiekosten
auf etwa 4.200 Euro.
Stromfressende Geräte auf das Abstellgleis
Thin Clients benötigen laut Wyse
Technology rund 90 Prozent weniger
Energie als herkömmliche PCs. Inklusive
Netzrechner, die sie unterstützen,
sind es immer noch 50 Prozent weniger
Energiebedarf, so das Fraunhofer
Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik.
Selbst mit herkömmlichen,
aber energieeffizienten Rechnern können
Institute bei 100 Arbeitsplätzen
1.000 Euro im Jahr einsparen.
Weil aber Energie sparende Ökogeräte
teurer sind als gewöhnliche
Modelle, blieb bis vor kurzem jegliche
Forderung nach Abkehr von den Strom
fressenden Produkten ungehört. Den
Schwenk brachten der überproportional
wachsende Stromverbrauch und
exorbitant steigende Preise. „Der Energiebedarf
der IT-Geräte hat sich binnen
fünf Jahren verdoppelt“, so IBM-Manager
Thomas Tauer. Rechenzentren benötigen
zum Teil sogar eigene Kraftwerke.
„Nach aktuellen Prognosen werden
die Energiekosten zum zweitgrößten
Kostenblock vieler Rechenzentren werden“,
prognostiziert denn auch Christian
Rathke von HP Deutschland.
Energieeffizienz als wichtiges Thema
Neben Fujitsu Siemens und Sun
sind es vor allem IBM und Extreme
Networks, Hitachi und Teradata, die das
Thema „Energieeffizienz“ umtreibt.
Ihr Prob_lem: 90 Prozent der IT-Verantwortlichen
haben keine konkreten
Kenntnisse vom Energiebedarf ihrer IT.
Wettrüsten in Sachen Sicherheit
Weniger ein Informations-, sondern
eher ein Zeitproblem diagnostiziert
Steria Mummert Consulting, wenn es
um Fragen der Sicherheit geht. Jedes
zweite deutsche Unternehmen nehme
sich zu wenig Zeit für die Organisation
einer unternehmensweiten ITSicherheitsstrategie.
Ebenso mangele
es einem Teil der Manager und Sicherheitsexperten
an Risikobewusstsein.
Starker Tobak. Auf jeden Fall bleibt das
Thema auch 2008 auf der Agenda. Die
Fraunhofer-Gesellschaft hat die Sicherheitsforschung
gar als eines von zwölf
Innovationsthemen identifiziert.
Als aktuelle Problemfelder in diesem
Bereich macht Unisys den Datenschutz
auf mobilen Endgeräten, den
Identitätsdiebstahl in Form von Phishing
und anderen Schadprogrammen,
den zunehmenden Austausch elektronischer
Datensätze sowie die steigende
Nutzung von Web-2.0-Technologien
aus.
Die Tatsachen sprechen für diese
Einschätzung: Die Zahl der Online-
Angriffe steigt weiter. 2007 ist in
Deutschland durch Phishing und
Pharming ein Schaden von 14 Millionen
Euro entstanden, ein Plus von 50
Prozent. Mehr und mehr wird nach
Auskunft des finnischen Sicherheitsunternehmens
F-Secure zudem die Manin-
the-Middle-Angriffstechnik genutzt,
um die relevanten Daten von Bankkunden
auszukundschaften. Dabei schiebt
sich der Angreifer zwischen Bank und
Kunden und gaukelt ihm die Website
der Bank vor.
Mit einem neuen Überweisungssystem
hat Siemens gemeinsam mit
dem Partner Axsionics den getürkten
E-Mails und Schadprogrammen den
Kampf angesagt. Das Online-Banking
soll durch Fingerabdruck sicherer werden.
Das neue System funktioniert auf
jedem herkömmlichen PC oder Laptop
ohne zusätzliche Software.
Für die sichere Online-Transaktion
ist nur ein scheckkartengroßer Internetausweis
mit Chip für die Verschlüsselung,
optischen Sensoren, Fingerabdruckscanner
und Display erforderlich.
Mehrere Institute testen das System
bereits. Eine Zusatzfunktion auf dem
Pass dient als Schutz für den Fall, dass
der Besitzer mit Gewalt zu einer Transaktion
gezwungen werden soll. Sie verhindert,
dass etwa eine Überweisung
tatsächlich ausgeführt wird.
Identifizierung durch den Tipprhythmus
Mehr Sicherheit für den Online-
Kunden am heimischen PC verspricht
auch ein weiteres biometrisches Verfahren
– die Authentifizierung über
den Tipprhythmus auf handelsüblichen
Tastaturen. Es ist das einzige gängige
Verfahren, das ohne zusätzliche Hardware
auskommt. Dadurch bietet es
sich für den Einsatz zu Hause an. Das
von BioPassword entwickelte System
hat die Feuertaufe in der Praxis bereits bei der Parda Federal
Credit Union in den USA bestanden.
SEPA: Startschuss für eine Kosten-Rallye
Anfang Januar 2008 ist mit der Umsetzung der Single
Euro Payments Area (SEPA) der europäische Zahlungsverkehr
in eine neue Phase getreten. Er wird die Banken vermutlich
mehr beschäftigen, als sie das heute erwarten. Und
es wird Gewinner und Verlierer geben in einem Wettbewerb
um jährlich mehr als 74 Milliarden unbare Transaktionen
und einen Gesamtumsatz von 60 bis 70 Milliarden Euro.
„Hiervon werden in erster Linie jene Banken profitieren, die
bereits über entsprechende Kosten- und Servicestrukturen
verfügen“, prognostiziert Andreas Pratz, Vice President der
Unternehmensberatung A.T. Kearney und Co-Autor der Studie
„The Sepa Shake-Out“.
Ganz eindeutig werden die Karten im Zahlungsverkehrsmarkt
neu gemischt. Denn die mit SEPA verbundene Vereinheitlichung
bietet viele Vorteile: neben der Erschließung
neuer Kundenkreise vorwiegend im Ausland auch die Zentralisierung
von Zahlungsverkehrskonten, ein verbessertes
Cashmanagement sowie die Verschlankung der internen Prozesse
der Kunden. „Aus dem integrierten SEPA-Markt werden
jedoch nur die kostengünstigsten Banken Nutzen ziehen“,
warnt die Studie. Sie deckt nicht nur große Lücken zwischen
führenden Instituten und Nachzüglern auf, sondern auch
Effizienzunterschiede auf Instituts- und Länderebene.
Während in Deutschland und den Benelux-Staaten Zahlungen
zu etwa einem Cent pro Transaktion abgewickelt werden,
belaufen sich die Kosten am anderen Ende der Skala,
vorrangig in Südeuropa, auf bis zu 31 Cent. Sogar innerhalb
der SEPA-Länder unterscheiden sich die Kosten pro Transaktion
bis zum Faktor acht. Die Folge: Wer nicht zu den Kostenführern
in Europa zählt, wird schnell seine größten Zahlungsverkehrskunden
verlieren. SEPA ist damit schon heute
das bestimmende Thema im Firmenkundengeschäft.
Damit zwingt SEPA die Banken zu der strategischen Entscheidung,
sich entweder als führender Anbieter im Markt
für Zahlungsverkehrsdienstleistungen zu positionieren oder
nur Basisprodukte anzubieten und die gesamte Abwicklung
auszulagern. Letzteres gilt vorrangig für kleinere Banken, die
sich verstärkt den großen Abwicklern anschließen werden.
Output Management: immer noch ein Stiefkind
Statt um Geschäftsstrategien geht es beim wichtigen Thema
Output Management in erster Linie um Kosten. Kaum ein
Kostenblock ist nämlich eine ähnlich unbekannte Größe wie
der Output-Bereich, zu dem Drucken und Kopieren, Scannen
und Faxen gehören. Vor allem die Folgekosten für Service,
Administration und laufenden Betrieb werden, so Kyocera,
oft nur ungenau bis gar nicht kalkuliert.
Eine Studie zeigt, dass knapp die Hälfte der befragten
Entscheider das Druckvolumen in ihren Unternehmen allenfalls
vage kennt. Fast 90 Prozent budgetieren die
nicht einmal gesondert, ganz zu schweigen davon, dass
Druckvolumen separat gezählt und aufgeschlüsselt wird.
Die Notwendigkeit wird aber zunehmend gesehen.
Immerhin 40 Prozent der Unternehmen denken mittlerweile
darüber nach, so genannte Accounting-Systeme einzusetzen.
Aber ganze zehn Prozent schätzen das Kostensenkungspotenzial
dank eines optimierten Output-Managements richtig
ein: nämlich auf 19 Prozent laut Gartner Group.
Für eine Konsolidierung der oft
kunterbunten Gerätelandschaft aus
Druckern, Kopierern, Scannern und
Faxgeräten plädiert Holger Wadewitz,
Leiter Business Marketing bei Lexmark.
Sein Rat: Investitionsentscheidungen
nicht allein von Druckkostenberechnungen
auf der Basis des Seitenpreises
abhängig zu machen.
Vielmehr empfiehlt er, sämtliche
mit dem Output verbundenen Kosten
– die Total Cost of Ownership (TCO) –
als Maßstab zu verwenden, um direkte
und indirekte Kosten zu berücksichtigen.
Die im Vergleich zum Druck
unschlagbar günstigen Seitenpreise
der Kopierer kommen nur zum Tragen,
wenn die zentrale Kopierstation ohne
Pause arbeitet. Wadewitz setzt sich
daher für multifunktionale Lösungen
in dezentralen Strukturen als optimale
Konfiguration ein. Die sinnvolle Kombination
von Arbeitsplatz- und Arbeitsgruppendruckern
verspricht Einsparungen
von bis zu 40 Prozent.
Drohende Abgaben für Multifunktionsgeräte
In allen diesen Argumenten steckt
jedoch eine Unbekannte. Sie kann
sämtliche Berechnungen über den
Haufen werfen. „Preisexplosion bei
Multifunktionsdruckern droht“, verkündete
Anfang Februar die Bitkom.
Der Grund: Nach einer aktuellen Entscheidung
des Bundesgerichtshofs sind
die Hersteller verpflichtet, für alle zwischen
1997 und 2001 verkauften Multifunktionsgeräte
nachträglich hohe
Urheberrechtsabgaben zu zahlen.
„Dieses Urteil hat dramatische Folgen
für Hersteller und Handel“, kommentiert
Bitkom-Hauptgeschäftsführer
Bernhard Rohleder. Durch die hohen
Lasten auf Multifunktionsgeräten werde
der komplette Markt in die Knie
gehen. Und das, obwohl nach Aussage
von Lexmark derzeit „95 Prozent der
Dokumente gedruckt und nicht mehr
kopiert werden – Tendenz steigend“.
Heide Skudelny
Quelle: bankenundpartner.de
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