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„Beitrag zur operativen und strategischen Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen“ |
DieSparkassenZeitung, 08.02.2008
Dr. Walter Kirchmann, Geschäftsführer des IZB Informatik-Zentrums, will neue, innovative Wege im Outsourcing gehen. Im Interview erklärt er die Gründe dafür und zeigt die Trends des Outsourcing der nächsten Generation auf.
Herr Dr. Kirchmann, Sie sagen, dass Banken und Finanzdienstleister ihre bisherigen Anforderungen an externe Partner im Bereich IT-Outsourcing derzeit überdenken. Sie selbst fordern, dass die IT einen Beitrag zur Wertschöpfung der Institute liefert. Wieso?
Dr. Kirchmann: In den letzten Jahren lag beim Outsourcing das Hauptaugenmerk auf dem „Pflichtprogramm“. Es ging darum, den Bedarf an IT- und TK-Infrastrukturdienstleistungen entsprechend der funktionalen Anforderungen möglichst kostengünstig auszulagern. Nach einer mehr oder weniger strategisch motivierten „Make-or-Buy“-Entscheidung wurde dann der Fokus der eigenen IT-Wertschöpfung sowie der Fokus der zu beschaffenden Services definiert. Im Hinblick auf die kritischen Erfolgsfaktoren Verfügbarkeit und Performance lassen sich damit bestenfalls bei Einzelkomponenten die Kosten optimieren. Die Verbesserung der Gesamtverfügbarkeit und Performance aus Sicht des Endanwenders ist kaum möglich. Dies gilt auch für die Verbesserung der Agilität, also der zügigen Umsetzung neuer Anforderungen der Nutzer.
Warum muss sich das in Ihren Augen ändern?
Dr. Kirchmann: Weil es nicht innovativ ist. Denn Innovation durch IT und eine Optimierung der Geschäftsprozesse mittels der IT bleibt dabei ausschließlich auf die Fähigkeiten des eigenen Hauses beschränkt. Die Fähigkeiten des Lieferanten bleiben ungenutzt. Und das gilt solange, wie das ausschlaggebende Kriterium für die Wahl der Lieferanten nur der Kostenaspekt ist. In Zukunft kann Outsourcing meiner Meinung nach jedoch mehr leisten.
Was genau soll Outsourcing in Zukunft leisten? Worauf kommt es Ihnen an?
Dr. Kirchmann: Grundsätzlich geht es den Kunden um Services, die auf ihre Anforderungen individuell zugeschnitten sind. Und die sie flexibel zu wettbewerbsfähigen Preisen in Anspruch nehmen können. Daher glaube ich, dass Application Service Providing (ASP) ein wichtiges Thema für das Outsourcing der nächsten Generation wird. Zudem wird den Kunden eine echte Partnerschaft mit dem IT-Dienstleister immer wichtiger.
Warum muss sich das Verhältnis Kunde-Lieferant ändern?
Dr. Kirchmann: Weil es dem Lieferanten nur in einer langjährigen, auf Partnerschaft ausgerichteten Beziehung möglich ist, einen wettbewerbsrelevanten Beitrag zu leisten. Denn das gelingt nur durch einen tieferen Einblick in die Kundensituation und mit dem notwendigen Vertrauen beider Parteien. Dazu braucht es ein wenig Zeit. Aber dann können Lieferant und Kunde auch wirklich Risiko und Erfolg teilen.
Haben Sie die neuen Trends bereits aufgegriffen?
Dr. Kirchmann: Ja. Wir bieten schon individuelle Services auf Basis vorkonfigurierter Pakete an. Sie werden nach der tatsächlich in Anspruch genommenen Leistung abgerechnet. Ferner haben wir die Erfahrung gemacht, dass nicht alle Dienste für jeden Kunden strategisch gleich bedeutend sind. Vor allem aus Nutzersicht unterscheiden sich viele Services bezüglich Verfügbarkeit, Performance und Agilität im Vergleich zu den Kosten. Auch der Schnitt in der Verantwortungsübernahme wird für Kunden immer wichtiger. Also Fragen wie: Übernimmt der Lieferant nur die Verantwortung für die Infrastruktur oder auch für den Betrieb der Anwendungen?
Sehen die Finanzinstitute das genauso?
Dr. Kirchmann: Ja. Banken und Finanzinstitute stellen sich zunehmend die Frage, ob nicht zukünftig ein Partner die nicht unmittelbar strategischen Funktionen als anwendungsorientierten Service erbringen kann. Das bietet auch Vorteile für die IT-Verantwortlichen im Unternehmen: Sie können Themen, die in der Vergangenheit immer wieder in hohem Maße Ressourcen gebunden haben aber keinen Beitrag zur strategischen Weiterentwicklung leisteten, von ihrer Agenda streichen. Hier gilt das Schlagwort der Fokussierung auf Kernkompetenzen – auch in den IT-Abteilungen der Banken.
Können Sie uns ein Beispiel hierfür nennen?
Dr. Kirchmann: Die IT-Infrastruktur und einzelne Applikationen wie Buchungs- oder Kernbanksysteme helfen einer Bank nicht, sich gegenüber den Wettbewerbern zu unterscheiden. Banking-Services wie der Wertpapierhandel oder das Investment-Banking hingegen sind von strategisch hoher Bedeutung. Letztere haben zum Beispiel wesentlich höhere Anforderungen an Agilität, Performance und Verfügbarkeit (Priorität 1) im Vergleich zu den Kosten (Priorität 2). Gemeinsam mit einem Partner, der beispielsweise eine Infrastruktur-Architektur für Handelssysteme komplett beherrscht, können Banken die für sie strategisch wichtigen Services optimieren und effektiver gestalten. Zu beachten ist, dass der externe Partner konkrete Kompetenz in dem jeweiligen Bereich nachweist.
Bietet das IZB Informatik-Zentrum solche Dienste jetzt auch an?
Dr. Kirchmann: Ja. Wir haben beispielsweise als Partner der BayernLB für deren Wertpapierhandel eine moderne, hochverfügbare und performante Linux-Architektur entwickelt. Zudem bieten wir im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit i-flex solutions auf Basis deren Kernbanksystems Flexcube Applikationsdienstleistungen für Finanzinstitute an. Diese Form von Anwendungsdiensten ist gerade für Banken interessant, die schnell und einfach standardisierte Prozesse ohne große eigene IT-Infrastruktur umsetzen wollen.
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