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„Beim it-Outsourcing ist Umdenken notwendig“

DieSparkassenZeitung, 20.03.2008

Wenn Kunden ihrem IT-Dienstleister mehr Freiheiten zugestehen, kann dieser oft noch bessere Qualität zu günstigeren Preise liefern.

Wer seinen Osterurlaub in Europas Süden verbringen will, hat mehrere Möglichkeiten, um dorthin zu gelangen. Entweder man nimmt es auf sich, den Weg mit dem eigenen Auto zurückzulegen oder man wendet sich an einen darauf spezialisierten Dienstleister wie beispielsweise eine Fluggesellschaft. Erkundigt man sich im Reisebüro nach den Rahmenbedingungen der Reise, interessieren hier vor allem Reisedauer, Preis und Komfort der verschiedenen Angebote. Je nach persönlichen Präferenzen und finanziellen Möglichkeiten entscheidet man sich dann für einen Billigflug, den Linienflug oder das Erste-Klasse-Ticket. Am Ziel angekommen, ist der Kunde zufrieden, wenn der Flug pünktlich war und der Service gestimmt hat. Kein Mensch würde dabei auf die Idee kommen, vorab mit der Fluggesellschaft über die Zuverlässigkeit bestimmter Flugzeugtypen, die Auslastung von Luftfahrtstraßen, Pilotengehälter oder Landegebühren zu verhandeln.

Beim Outsourcing von IT-Leistungen sieht es derzeit oftmals noch anders aus: Auch hier nimmt ein Kunde Leistungen eines Dienstleisters – hier Managed Services genannt – in Anspruch, wenn beispielsweise ein Finanzinstitut den Betrieb seiner Server an einen IT-Dienstleiter abgibt. Bei den vorgelagerten Verhandlungen geht es aber immer noch meist um die Festlegung von technischen Betriebsparametern, die von der tatsächlichen Anwendung weit entfernt sind. Beim Auslagern von klassischen File-Services, also der Möglichkeit, Dateien zentral auf einem Server zu speichern und regelmäßig zu sichern, interessiert den Kunden vor allem, wie viel Speicherplatz er bei welcher Verfügbarkeit zu welchem Preis erhält. Und genau diese Parameter sollte er auch mit dem Dienstleister vertraglich festhalten. Wie der Dienstleister dies dann technisch umsetzt, kann man getrost ihm selbst überlassen. Denn während die Kernkompetenz eines Finanzinstituts der bankfachliche Bereich ist, ist das tägliche Brot des ITDienstleisters der hochverfügbare und sichere Betrieb von IT-Infrastrukturen, Diensten und Anwendungen. Als Finanzspezialist mit dem IT-Spezialisten über die Verfügbarkeit einzelner Netzwerkkomponenten, die redundante Auslegung von Festplatten oder die Zahl von Prozessoren zu diskutieren ist, wie mit einer Fluggesellschaft über die bevorzugte Startbahn am Abflugort zu verhandeln.

Umdenken auf allen Ebenen

Wer bislang seine IT selber betrieben hat, wird natürlich versucht sein, auch seine technische Erfahrung in die Outsourcing- Verhandlungen einfließen zu lassen. Ebenso wie der Hobby-Pilot auf bestimmte Dinge achten wird, die dem Durchschnittsreisenden nicht wichtig sind. Hat beispielsweise die Führungsebene entschieden, dass es richtig ist, bestimmte Teile der IT an einen Dienstleister auszulagern, muss immer zunächst die eigene Fachabteilung dies auch verstehen und mittragen. Denn das Tätigkeitsfeld der IT-Mitarbeiter wird sich durch das Outsourcing verändern – vom IT-Spezialisten zum Partner- Manager. Das funktioniert aber nur, wenn die Mitarbeiter auch dahinterstehen.

Vertrauen ist Voraussetzung

Das Abgeben von IT-Diensten setzt ebenfalls voraus, dass der Kunde Vertrauen in die Fähigkeiten seines Dienstleisters hat. Und dieses Vertrauen muss sich der Dienstleister zunächst verdienen. Eine der besten vertrauensbildenden Maßnahmen sind Referenzen zufriedener Kunden, die dem Serviceanbieter gute Dienste und beste Leistungen bescheinigen. Orientierung bieten zudem Zertifizierungen neutraler Dritter, die einem Serviceleister beispielsweise den sicheren IT-Betrieb bestätigen. Doch das Vertrauen ist auch die Voraussetzung dafür, dass der Servicepartner genügend Freiheitsgrade erhält, um eine aus seiner Sicht optimale IT-Umgebung aufbauen zu können.

Der beliebte Outsourcing-Spruch „Take my mess and run it for less“ bezeichnet treffend im ersten Halbsatz, warum viele Outsourcing-Projekte der Vergangenheit gescheitert sind. Wer als Dienstleister gezwungen wird, eine suboptimale IT-Infrastruktur zu übernehmen, wird diese nicht zuverlässig und kostengünstig betreiben können. Besser ist es, vorher den fachlichen Service von der darunter liegenden Infrastruktur zu trennen und Betriebsparameter für den Service wie beispielsweise Antwortzeiten für eine Transaktion aus Sicht der Anwender festzulegen. Dann hat der Dienstleister die Möglichkeit, die Infrastruktur mit seinem Fachwissen zu optimieren und den gewünschten Service mit höherer Sicherheit und Verfügbarkeit zu geringeren Kosten zu erfüllen.

Dienst ist nicht Dienst

Zu berücksichtigen ist schließlich, dass nicht jeder Managed Service dieselben Betriebsparameter hat. So sind beispielsweise bei einer Handelsanwendung minimale Antwortzeiten und Ausfallzeiten wichtiger als die Betriebskosten. Denn die Anwendung erwirtschaftet hohe Erträge. Bei einem Backoffice- System für Kredite sind hingegen geringe Betriebskosten wichtig, dafür aber auch Ausfallzeiten bis zu einem gewissen Maß tolerierbar.


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